Wie Pflanzen heilen (können)

Auf Anregung von Jörg Engel (www.sein.de ) habe ich den Beitrag zur „Pflanzenkraft“ (https://www.newslichter.de/2018/06/pflanzenkraft-die-gruenen-heiler/) ausgeführt und vertieft.

In den folgenden Ausführungen gehe ich konkreter auf die Interaktion mit den Pflanzen und den Vorgang ein, durch den Heilung geschehen kann.
 
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Manche Pflanzen begleiten dich. Wo auch immer du verweilst – da ist er wieder, der Gundermann oder die Birke oder das Leberblümchen. Natürlich ist es jedes Mal eine andere Pflanze – oder nicht? Wie ich oben bereits beschrieb, ist ein Raum, der wesentlich von Pflanzen und Kleinstlebewesen bestimmt ist, wie ein dynamisches, ruhig schwingendes Gewebe, das den Eintretenden erfasst und sozusagen „einwebt“.
Die Vielfalt unter den Photosynthese betreibenden Wesen ist groß – und doch können wir Gemeinschaften, Arten, ähnliche unterscheiden und an anderen Orten wieder auffinden.
Anders als bei katabolisierenden Wesen – also Wesen, die die Substanz anderer Wesen benötigen, um selbst Materie aufzubauen – erscheinen die Individuen einer Pflanzenspezies nicht individuell. Vielmehr scheint es eine „charakterliche Kontinuität“ innerhalb einer Pflanzenspezies zu geben, die ich bei Menschen oder Tieren so nicht wiederfinden kann. (auch nicht, wenn ich in ethnologische, kulturelle, soziographische Gruppen unterteile…).

Schamanen sprechen hier zuweilen von „Devas“ – also eher einer übergeordneten Kraft, welche die Gesamtheit der Individuen einer Pflanzengruppe belebt und in ihrer Art und Weise prägt.
Diese Kontinuität macht Pflanzen zu Heilmitteln erster Ordnung. Denn auch wenn die biochemische Zusammensetzung einer Salvia officinalis, die auf 1.800 Höhenmetern gewachsen ist, eine leicht andere ist, als die eines Salbeis aus Küstennähe, so wohnt diesem Salbei doch immer diese ganz bestimmte, gehaltene, ordnende, integrierende Eigenart inne, die ihn als Bronachialmittel und Reinigungsräucherung, als Antimykotikum und als Entzündungshemmer auf Schleimhäuten so besonders macht.
Und so gibt es eine Resonanz zwischen einem bestimmtem Menschen, einer bestimmten, individualisierten Verfasstheit – und dem Verbund einer Pflanze, seiner Deva.

Wenn wir einfach durch die Natur laufen, vielleicht einmal zum „Ansehen“ verweilen oder uns für eine Pause niederlassen, breiten sich über diese Resonanz Ruhe und Frische aus … unspezifisch – aber förderlich.

Lassen wir uns jedoch wirklich auf den Dialog, auf den bewussten Austausch mit der Deva ein, kann die Resonanz ganz gezielt und erlebbar an den körperlichen, emotionalen und geistigen Punkten in uns wirken, die Ausgleich brauchen.

Es ist nicht sinnvoll, die Wirkung von Pflanzen allzusehr zu verallgemeinern – denn was zwischen Pflanze und Mensch geschieht, geschieht aufgrund des Gefüges, das beide bilden.

So kann zum Beispiel die endemische Baumheide auf den Kanaren einem Menschen, der voller Unruhe und Zweifel und Haltlosigkeit ist mit ihrem bescheidenen, empfänglichen und ruhigen Wesen Geborgenheit übermitteln.
Führe ich hingegen einen Menschen in das Geäst der Baumheide, dessen körperliche Grenze beschädigt ist – etwa in Form von Allergien, Hautproblemen oder Immundefekten – so vermag die Baumheiden-Deva mit ihren zarten Ästchen und Blütchen, mit ihrer spröden, feinfasrigen Rinde und eben ihrem durchlässigen, ruhigen WESEN, einen Ausgleich zu schaffen zwischen Berührbarkeit und Berührtheit, zwischen Austausch und Abgrenzung. Die Haut, die Lymphocyten und Makrophagen, Nervenzellen und Bauchspeicheldrüse nehmen die „Vibration im Netz“ auf und gelangen mithilfe der Deva zu einer ausgewogenen, systemisch integrierten Dynamik.

Das Wesen einer Pflanzen-Deva hat eine ganz spezifische Dynamik. Diese Dynamik haben unter anderem die TCM, die Homöopathie und die Amazonas-Schamanen erkundet. In jedem Falle bedarf es zur gezielten „Nutzung“ der Pflanzenkräfte ein systemisches Verständnis des Menschen, das weit über die reine Symptomatik hinausreicht.

Würde ich nämlich einen Menschen, dessen System völlig ausgeterocknet und erstarrt ist – und der ebenfalls allergene Hautreaktionen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte zeigt – zur Baumheide führen, so wäre hier kaum Linderung zu erwarten, da auch sie trocken und langsam schwingt.
Ich muss in der Lage sein, die Verfasstheit eines Menschen im sinne eines dynamischen Systems zu erfassen, um hilfreiche Devas für ihn zu benennen. Oder noch besser: Ich lehre den Menschen, der etwas auszubalancieren hat, zu lauschen: Stelle ihn mitten in die ungestörte Natur, lasse ihn „orten“ nach einem Ruf , einer Richtung, lasse ihn den Baum oder das Kraut selbst finden. Das „Orten“ ist ohnehin wichtiger Bestandteil der Interaktion mit Pflanzen.

Wichtig ist auch, dass wir uns bei der Begegnung mit der Grünen Welt lösen von der Idee der „Heilung durch Mittel“: Heilung geschieht ganz grundsätzlich nicht, weil wir etwas von Außen zugeführt bekommen. Die Pflanzen-Deva wirkt, indem sie mit ihrer Eigenart, ihrer „Schwingung“ etwas im Menschen „anstösst“, (wieder) aktiviert wird, das da aber blockiert war. So kommt das menschliche Gesamtsystem wieder in eine Balance, Heilung ist geschehen.

Wie aber finde ich die Pflanze, die mich spezifisch ausgleicht, ohne die alten Wissenschaften über Jahrzehnte studieren zu müssen ?

Und was ist zu tun, da mit die Wirkung tatsächlich eintritt ?

Es bedarf einer entwickelten Achtsamkeit – noch viel mehr, als wenn wir einem Menschen begegnen und ihn innig kennenlernen wollen – den Pflanzen angemessen zu begegnen und in den Genuss ihrer Wirkung zu kommen.

Genauso wie bei unseren Mitmenschen, ist die herzensoffene Neugierde erfolgversprechender, als die Annäherung „weil ich das und das von Dir will“. Lösen wir uns also zunächst vom „Nutzengedanken“ und öffnen uns für die Begegnung von Seele zu Seele.

Diese Art der neugierigen Öffnung vermittle ich viele viele Male während der Auszeiten oder Wochenendkurse, bevor die Teilnehmenden sich wirklich gelöst haben von der „Leistungsanspruch“ – an sich, an die Pflanzen und an das Seminar – und den ruf der Devas, die ihnen gemäß sind, wirklich vernehmen und folgen können.

Ich hatte das Glück, mit einem Opa aufzuwachsen, der mir die Pflanzen auf eine sehr unmittelbare Art erfahrbar gemacht hat. Wenn ich den alten Storl sehe, fühle ich mich manchmal erinnert an die frühmorgendlichen Gänge mit meinem Großvater. Er ließ Hagebutten tanzen oder hat sich mit mir zur Brennnessel gesetzt, um ihr zu lauschen. Dabei führte er meine kindliche Offenheit zunächst entlang der sinnlich erfahrbaren Eigenheiten einer Pflanze – etwa die ulkige Form der Hagebuttenfrucht oder ihre an fröhliche Bäckchen erinnernde Farbe… ließ mich tasten, riechen, lauschen. Durch diese unbedarfte aber konzentrierte Herangehensweise entstand „Kontakt“ – und er hielt mich in diesem Kontakt, indem die Anweisungen abebbten, er nicht mehr auf meine Fragen reagierte, und wir lediglich bei der Deva in Stille verweilten. Unweigerlich öffnete sich für mich dadurch die tiefere Eigenart der Pflanze – mit ihrer Schwingung, mit ihrem Wirken.
Und erst dann – nach ein, zwei zeitlosen Ewigkeiten – ließ er mich nachspüren, in mich selbst hinein und in die Veränderung in mir, die stattgefunden hatte.

Daher war es für mich nicht ungewöhnlich, auch in den späteren Jahren den unmittelbaren Austausch mit den Devas zu suchen, mir bei ihnen Rat zu holen, Kraft oder einfach Besänftigung. Dabei habe ich mich fern gehalten von Phantasiewesen oder gesprochenen Worten. Dazu war mein naturwissenschaftlicher Geist auch zu skeptisch.
Es genügte mir, die Wirkung der Pflanzen an mir zu beobachten oder auf die Gedanken und Gefühle zu achten, die sich im Kontakt mit bestimmten Pflanzen ergaben.

Mit einem Traum in 2009 wurde diese sehr persönliche Befassung mit Pflanzen in einen größeren Rahmen gebracht.

Ich hatte von einem kleinen, leuchtenden, sehr alten „Männchen“ geträumt, das sich mir als „Das Wesen des Ingwers“ vorstellte. Es sprach im Traum sehr eindringlich davon, dass eine bestimmte Gruppe von Pflanzen – er nannte sie „Sonnenpflanzen“ – höchst besorgt seien, weil „die Menschen vergessen, die Sonne zu verehren“. Es forderte mich auf, ihnen „auf den alten Wegen“ Transportmittel zu den Menschen für diesen Zweck zu sein: Die Menschen an die Verehrung der Sonne zu erinnern.
Zuletzt hinterließ es mir zwei achtstellige Zahlen.
Diese Zahlen gingen mir trotz ihrer Komplexität nicht mehr aus dem Sinn bis ich „entdeckte“ dass es sich um geografische Koordinaten handelte und mich 10 Tage nach dem Traum auf den Weg zu dem bezeichneten Ort machte. Dort fand ich – in der Einöde tiñerfenischer Berge – exakt am gegebenen Punkt einen alten Mann, der meinen Namen kannte und nannte und auf mich gewartet hatte, um mir bestimmte Pflanzen zu zeigen.

Ich musste die Traum-Nachricht erst „übersetzen“ in konkrete, weltliche Größen und baute meine Arbeit mit Pflanze und Mensch aus. Das „Sonnenprojekt“ ( www.wild-natural-spirit.org ) wurde ins Leben gerufen: Nachdem identifiziert war, was mit „Sonnenpflanzen“ gemeint ist, begannen wir mit Wildsammlungen und Anpflanzungen von 15 Pflanzen aus 3 Kulturkreisen und verarbeiteten sie händisch zu Räucherbündeln („alte Wege“). Ich begann, Räucherrituale und Seminare zu Techniken und Pflanzen zu veranstalten, versah jeden und jede mit den passenden Medizinpflanzen aus dem Kreis und befasste mich intensiv mit der Resonanz zwischen bestimmten, menschlichen Verfasstheiten und bestimmten Pflanzen.

Bereits die Heranführung von Menschen an das Dialoghafte mit den Pflanzen – etwas, das ohne Worte und allein getan wird und die Fähigkeit eines Menschen enorm erhöht, zu lauschen und aufzunehmen und sich selbst in Resonanz zu bringen – zeigte wertvolle, heilsame Effekte auf körperlicher und seelischer Ebene.

Thymian zum Beispiel – als „feuertragende“ Deva aus dem keltischen Pflanzenkreis – vermag durch seine Lebendigkeit und Widerstandskraft menschliche Systeme in Bewegung zu bringen, die stagnieren. Auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene.

Dabei spielt es eine Rolle, ob die reine Präsenz der lebenden Pflanze wirkt – also eine aktive, dialoghafte Begegnung in der Natur – oder ihr Rauch im Energiekörper des Menschen oder ihr Öl auf Haut und Schleimhäuten oder ihre phasische Chemie durch Einnahme.

Die Haltung, die hier eingenommen wird – eingenommen werden muss – ist für jede Form von Problemlösung oder Heilung unabdingbar. Denn nie ist es das Mittel, das heilt, sondern die Interaktion zwischen dem Menschen, der nach Erleichterung sucht, und dem „Mittel“.
Die meisten Menschen, die körperlich, seelisch, geistig, materiell oder sozial aus dem Gleichgewicht geraten, sind in gewisser Weise „verstopft“ – das heißt, sie können Lebensenergie nicht mehr gleichmäßig aufnehmen und abgeben.
Das Lauschen, die stille Präsenz in der Natur, erfordert ein Öffnen dieser verstopften Kanäle.

Die physische Einnahme von Pflanzen ist dabei das „Heftigste“, ja fast „Brutalste“ aller möglichen Begegnungsformen. Pflanzendevas sind in ihrem (rein quantitativen) Energiegehalt um ein Vielfaches stärker als ein menschliches System.
Bei der körperlichen Einnahme wird das menschliche System regelrecht herausgerissen aus der eigenen Schwingung und „entführt“ in die Schwingung der Deva.
Dieser Heftigkeit sind nur Eingeweihte gewachsen, die über viele, viele Jahre das eigene Energielevel Schritt für Schritt erhöht haben und der Deva so auf Augenhöhe begegnen können.
Alle anderen erfahren einfach aufgrund der quantitativen Stärke Schaden – das eigene System trägt sich nicht mehr / noch weniger als vorher selbst sondern ist auf einem fremdgesteuerten „Trip“. Ein unachtsamer, gewaltvoller Vorgang, denn weder gab es eine respektvolle Annäherung und wechselseitige Wahrnehmung noch eine behutsame und eigenverantwortliche Aussteuerung der wechselseitigen Resonanz.

Wird dies zudem noch mit Schattenpflanzen vollzogen, die neuerdings von Bauernfängern in der Esoszene sehr erfolgreich verkauft werden, dann ist das Gegenteil von Heilung im

Gange:

Konsumgierige, abhängige Menschen im Ungleichgewicht, wollen etwas „haben“, um Erleichterung zu erfahren, statt sich zu öffnen und in Resonanz mit der Deva die eigene Balance wiederherzustellen.

Wer sich aber annähert an eine Deva, die „zufällig“ die Aufmerksamkeit bindet, sich niederlässt, schaut, riecht, schmeckt, lauscht, bringt sein eigenes System in „Empfangsbereitschaft“. Und diese ist Voraussetzung für eine differenzierte, subtile Integration und ein dynamisches Gleichgewicht im System.

In dieser Haltung offenbart sich auch das Spezifische jeder Pflanze: Es gibt für bestimmte Verfasstheiten bestimmte Pflanzen, die – mehr als andere – vermögen, dem Menschen über Resonanz die fehlende Energie zu übermitteln (oder ein Zuviel aufzunehmen).
Über das vorläufige Ergebnis habe ich in zahlreichen Vorträgen (u.a. Kongress Heiligenfeld 2010) und auf der Projekt-Website (http://wild-natural-spirit.org/wild-die-medizinpflanzen/) berichtet.

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Über die Wochenendkurse, die ich zum Thema gebe, kannst Du Dich hier https://www.evelinrosenfeld.de/index.php/de/10-redaktionelle-artikel/127-wochenendkurse informieren.

Am 14. Und 15. Juli gebe ich einen Kennenlerntag zu den Auszeiten in Thüringen, Teneriffa und Thailand in der Klangwerkstatt meiner Schülerin Christiane Breitkreuz.