Ich bin (wie) Du

Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich immer wieder in die Situation komme, von meinen Kunden so beschenkt zu werden, dass ich mich frage, wer hier eigentlich wem ein Honorar zahlen muss. 

Und dabei spreche ich gar nicht von den liebevollen und großherzigen Geschenken, die mir gegeben werden (die Geschenke auf dem Foto bekam ich heute). Vielmehr wird mir ganz persönlich ja jedes Mal, wenn ein Mensch sich entscheidet, der Angst den Rücken zu kehren und das eigene Licht zu entzünden, mein Herzenswunsch, meine größte Sehnsucht erfüllt.

Heute zum Beispiel durfte ich einmal mehr ein „Schattenritual“ begleiten. Das ist ein Vorgang, der auf körperlicher, emotionaler und kognitiver Ebene Traumata wachruft und die damit verbundenen Gefühle, Denkmuster und Verstrickungen erlebbar macht. An einem bestimmten Punkt des Rituals kehren sich dann all die destruktiven, gespeicherten Ereignisse um, es öffnet sich eine Tür zu Mitgefühl und Verbundenheit, die die erfahrenen Schmerzen aufzuheben vermag und den Panzer, der sich hieraus gebildet hat, sprengt.

Es ist dieser gewaltige Moment des „Ich bin wie Du“, in dem der Mensch erfährt, dass all die erlittenen Verletzungen einer gemeinsamen Not und gemeinsamen Reflexen der Selbstverteidigung entspringen. Durch das auf allen Ebenen einwirkende Ritual verankert sich diese Einsicht dauerhaft und tragend.

Allein das Vertrauen entgegengebracht zu bekommen, diesen Vorgang begleiten zu dürfen, aber auch das Miterleben der Öffnung, der uns allen gemeinsamen Ohnmacht und der uns allen gemeinsamen Verbundenheit, ist für mich jedes Mal von Neuem das größte und schönste Geschenk.

Und so danke ich diesen Menschen, diesem Leben und auch diesem, meinem Weg für dieses immer wieder neu erfahrene „Ich bin wie Du“.