Glauben und Wissen (1)

Als Mädchen war ich fasziniert von Goethes „Faust“.
Dessen Suche nach des Pudels Kern, seine Kühnheit, bekannte Welten zu verlassen und alles aufs Spiel zu setzen, um zu erkennen – nein: um zu wissen – begeisterten mich.

Und so machte ich die Naturwissenschaften viele Jahre lang zu meinem „Heilsweg“.

Bei Orbitalen, Quanten, Mikroorganismen und Genen angelangt brach diese erhabene Welt des Wissens, der Professoren und Beweise jäh für mich zusammen. Denn der notwendige Detailfokus und all die geistigen Bedingungen, die zum Aufstellen der Erklärungsmodelle erforderlich sind, zeigten mir die Relativität dieses Wissens.
Und auch die Unverantwortlichkeit all der hohen Disziplinen, die nachhaltig in die unendliche Komplexität der Natur eingreifen, ohne sie hinreichend begriffen zu haben.
Die vis vitalis ist und bleibt ein Mysterium….

Und so erlebte ich „Demut“ und musste lernen, dass wir Menschen nicht „wissen“ können im faust´schen Sinne. Es ist immer nur ein kleiner Ausschnitt, den wir gerade erleben – und der im nächsten Moment schon wieder verwandelt ist.