Fake Business

Von Online-Kongressen und Spirituellen Geschäftsmodellen

Als ich – durch einen Zufall – sah, dass mein Name bei einem dieser „Spirituellen Kongresse“ gelistet war und ein Interview von mir, das ich gar nicht freigegeben hatte, gesendet werden sollte, platze mir die Hutschnur.

Ich ging sofort in Kontakt mit der Veranstalterin und fragte nach, wie das ohne meine Zustimmung möglich sei.
Aus diesem ersten Telefonat ergaben sich viele Gespräche mit unterschiedlichen Menschen, die mit dem Kongress und dem dahinterliegenden Geschäftsmodell zu tun haben oder hatten.

Die typischen Symptome einer hierarchischen, maximierenden und letztlich auch täuschenden Unternehmenspraxis erschienen eines nach dem anderen.
Ich habe viel Zeit eingesetzt um zu erforschen, wie das sein kann bei Menschen, die davon sprechen, bewusster leben und arbeiten zu wollen, die sich das Versprechen von „Gemeinschaft“, von „Sinnhaftigkeit“ und dem „gelebten Traum“ auf die Fahnen schreiben.
Letztlich entstand der Eindruck, dass den Initiatoren und den „100 Experten“ (!), die da sorglos eine Werbeplattform für sich nutzen, nicht voll bewusst war, in welchem Widerspruch ihr Tun zu der Vision steht, die sie formulieren.

In einem sehr offenen und sehr verbundenen Gespräch mit dem Initiator konnte ich spüren, wie groß seine Sehnsucht ist, diese Vision wahrhaft zu leben. Daß er im Laufe des Kongresses erfahren hat, dass „etwas nicht stimmt“, dass die alten Strukturen von Hierarchie, Maximierungsdenken und Überforderung doch wieder die Oberhand gewonnen haben. Und dass er sich danach sehnt, zu erkennen, was das bewirkt und nach Veränderung sucht.

Meine Fragen haben allerdings auch Angst und Abwehr ausgelöst. Seine Frau fing an, kleine Korrekturvideos zu veröffentlichen (in denen sie die zB angegebene Teilnehmerzahlen auf 5% zurücknahm). Sie verschickte noch mehr Mails an ihren Verteiler mit der Aufforderung, noch mehr Kontaktadressen einzuspeisen.

Doch trotz aller Mühen: Es wird ein – für unsere Zeit typisches – Geschäftsmodell fortgesetzt:
Über eine sentimentale (Bedürftigkeiten ansprechende) Kulisse (hier: der Kongress) werden Mitmacher und Zuschauer gewonnen.
Und alles „kostenlos“, versteht sich.
Die „Experten“ müssen auf ihre Rechte an den Interviews verzichten, Adressdaten ihrer Kunden bereitstellen und sind zu bestimmten, vorgegebenen Werbemaßahmen verpflichtet.
Die Kontaktdaten der Teilnehmenden werden gesammelt und in ein sehr aufdringliches Marketingtool für ein ganz anderes Produkt eingespeist: In unserem Fall eine Software für Online-Kongresse samt Coaching.
Die Käufer dieses Produkts haben die Hoffnung, Bekanntheit und Einnahmen hierduch zu erwirtschaften. So erfolgreich, wie die Verkäufer. Dass die Verkäufer keine (nenneswerten) Umsätze aus dem Kongress erzielen sondern erst durch den Verkauf ihrer Software, bleibt unerwähnt.

Vielleicht ist vielen – insbesondere den teilnemenden „Experten“ – bewusst, dass es so läuft. Dass mit „validen Adressen“ gehandelt und mit massiven, virtuellen Marketingtools nachgehalten wird. Doch selbst wenn sich de Akteure hier auf die Eigenverantwortung der Teilnehmenden berufen. Ist das ein Weg in wechselseitge Wertschätzung, faire Verteilung, Aufrichtigkeit und Befreiung von Zwängen ?

Natürlich kann ich mir ein Lächeln nicht verkneifen über all die „Schnäppchenjäger“ – unter den Experten wie unter den Zuschauern.
Spiritualität im virtuellen Ausverkauf !

Aber es macht mich auch ein wenig ratlos.

Denn ich wünsche mir aufrichtig, dass Menschen beginnen, an sich selbst und ihre Seele zu glauben, dass sie nicht rennen, betrügen, raffen, austricksen, feilschen, beschönigen, sich vordrängeln – nur weil sie glauben, das gehöre zum „Überleben“.
Es geht anders.

Für die, die einen solchen Weg suchen, habe ich hier http://wertebasiertes-management.de/…/11-was-ist-wertebasie… skizziert, was Wertebasiertes Management © in der Tiefe bedeutet.
Enjoy-share – but PLEASE:Don´t force…

Die Grafik zum Link stammt übrigens von Mushin Schilling – damals zu Gaia-Zeiten, als auch der Größenwahn den Kern verbrannt hat.