Wurzeln

Wenn das unermüdliche Pochen der Städte
hinter Dir verebbt
und Du das Rauschen des Windes wieder hören kannst
kehrt Stille ein
und Du betrachtest am Morgen
die weite Landschaft
bevor Du beginnst.

Wenn das fordernde Gezerre
der sicheren Jobs und kontollierenden Aufgaben
nur noch ein seltsames Bild in deiner Erinnerung ist
und Du erst einmal Feuer machst, am Morgen
erkennst Du deine Freiheit,
jeden Tag aufs Neue zu wählen,
wofür Du deine kostbare Lebenszeit einsetzen willst.

Wenn die heißgelaufenen Geister der Städte
zurück geblieben sind
mit ihren Konzepten, Interpretationen und Ansprüchen,
und der Frieden der Bäume
Dich über den ganzen Tag sanft umfängt,
weißt Du, daß wahre Freunde und Familienbande
immer jünger sind, immer flüchtiger
als der Schoß von Mutter Natur.

Wenn Du am Abend
deine Heimstatt wetterfest bekommen hast
und auf langen Gängen durch den Wald
die Jahrezeiten aufgenommen hast in Dir,
mußt Du nicht mehr in ferne Länder flüchten,
die einen anderen Rhythmus haben
als dein Blut, deine Seele.

Die Sonne, die Dir fehlt,
ist die Sonne, die in Dir selbst erloschen ist.
Entzünde sie an deinen Wurzeln
– nicht in der Suche nach „mehr“ und „besser“.

Deine Wurzel sprießen wieder
im Einklang mit den Wesen um Dich herum
sie ruhen im Winter, sie schlagen aus im Frühjahr
sie blühen im Sommer und sie sammeln die freudenreiche Ernte im Herbst.
Wenn deine Wurzeln wieder atmen
fällt die Ruhelosigkeit der Städte ab,
versinkt unter dem Ameisenügel,
dem Du lauscht, so lange Du willst.