Entropie der Lebendigkeit

Na, wie ist dein Tag gelaufen ? Gut ? Schlecht ?

Heißt „gut“ für Dich dass es wie geplant lief ? So, wie es Dir und deinem Verständnis von „Reibungslosigkeit“, „Schönheit“, „Harmonie“ entspricht ?
Wann hast Du entschieden, was „schön“ ist – und wozu hat es geführt ?

Wann hast Du das letzte Mal schräge Geräusche mit deinem Mund ausprobiert ? Die Stimmbänder zusammengesaugt zu einem kehligen Krächtzen ? Die Wangen mit den Fingern auseinandergezogen solange, bis Du vor Lachen nicht mehr konntest ?
Wann hast Du zuletzt versucht, deinen Körper zu einer gefährlichen aber faszinierenden Bewegung zu bringen – ohne an das Verletzungsrisiko zu denken ?
Wann hast Du Dich das letzte Mal mit klopfendem Herzen in das Chaos geworfen? Dort wo alles an der Dynamik und Fremdheit zerschellt, was Dir „lieb und teuer“ in deinem geregelten Alltag wurde ?
Wann bist Du das letzte Mal losgegangen, mit leeren Händen, leerem Geist, leerem Herzen – etwas Neues zu entdecken ?

Weißt Du eigentlich, was für ein spektakuläres „Ding“ dein Körper ist ? Kennst Du die azurblauen Frösche am Amazonas, von der Größe einer mitteleuropäischen Hauskatze, die sogar Alligatoren hypnotisieren können mit ihrem Gesang ?
Wie klingt Suaheli für Dich ?
Wie schmeckt A-Dur ?

Da ist so viel.
Und es verwandelt sich andauernd, so daß es immer noch mehr wird.

Aufregung, Verwirrung, Bewegung sind durchaus geboten !

Denn diese läppischen – großartigen – fünf oder sieben Sinne können und wollen bespielt, gereizt, belebt werden. Und dann wachsen sie. Und verwandeln sich und Dich und alles.

Und dein kleines Dorf der Gewohnheiten, Präferenzen und Störungen wird einfallen wie ein Kartenhaus.
Alles, was Du Dir vorgestellt und gewünscht hast. Alles, was Du mit Mühe und Disziplin dann doch unter Kontrolle gebracht hast und nie wieder loslassen wolltest wird von Dir abfallen wie ein zerschlissenes Kleid.

Deine Sinne werden explodieren, Du wirst tanzen.

Aber nicht so, wie Du es gelernt hast. Nicht so, wie Du oder andere es „schön“ finden.

Das Leben wird Dich tanzen. Du wirst hampeln und zucken und fallen und springen wie ein Gummiball.

Denn mit einem Mal wird das Leben Dich wieder erfassen und Du bist wieder ein Gott in einem unfassbaren Universum, in dem Du Wirklichkeiten erschließt. Du wirst wieder ein Staubkorn unter vielen, kannst Dich wieder bewegen von Wunder zu Wunder, Milchstraßen, Höllen, Paradiese, Himmel und Welten.

Wenn Du Dich erfassen lässt.

Wenn Du beginnst, die Konservendose deines Lebens aufzuschneiden und die bebende, fließende, atmende Masse hervorquellen lässt, die dort gestaut war, und zu einem Feuerwerk unstillbarer Neugierde entzündest.

Wie irre muss jemand sein, der zweimal das Gleiche tut ? !