DER VORTEIL

„Wenn Du …, dann .. ich ..“
so werden Kinder erzogen,
so werden Partner/innen gebunden,
so werden Menschen dressiert.

Vor Jahren sagte ein Freund einmal zu mir:
„Keine Beziehung wird ohne Nutzenkalkül eingegangen“.
Ich fand diese Aussage entsetzlich
und habe mich stark gegen eine solche Annahme verwahrt.

Heute, gut 20 Jahre später,
sehe ich die Ohnmacht und Verzweiflung,
die viele Menschen dazu treibt,
andere Menschen nach dem Nutzen zu bemessen,
den sie ihnen bringen können.
Was ist dabei, mit leeren Händen zu bitten ?
Was ist dabei, offen nach dem „Preis“ zu fragen ?
Wenn wir uns aber Vorteile erschleichen
durch Schmeichelei oder falsche Vorwände
dann zahlen wir mit unserer Würde
und unserer Fähigkeit, uns wirklich zu verbinden.

 

Bedingungslose Liebe –
unter Menschen –
was für ein Wort, was für ein Anspruch !
Wer die bedingungslose Liebe deklariert
verleugnet die eigenen Grenzen,
erhebt sich über das Gegenüber
in unerreichbare, übermenschliche Sphären.
Was ist dabei, auf Augenhöhe stehen zu bleiben,
einzugestehen, dass etwas gebraucht wird oder unerträglich ist
in Abhängigkeit vom anderen ?
Wenn wir uns in die „hohen Gefilde“ aufschwingen
verlieren wir unsere Augenhöhe
und damit die Chance, einander in unserer
Verletzlichkeit und Bedürftigkeit zu begegnen.

Wie traurig, wie armselig,
wenn wir unsere Wünsche und unsere Wertschätzung
unsere Verletzlichkeit und Bedürftigkeit
verstecken müssen hinter einem
„wenn … dann“.