Erleuchtung

Hinter der Angst,
dort, wo dem Verstand nichts mehr sicher,
nichts mehr eindeutig ist
wo es keinen Halt gibt, außer der Stille,
dort wird mein Herz weit, und Licht
und verliert seine Grenzen.

Wie herrlich, diese Unbestimmtheit, Weite,
dieser Glanz der Unendlichkeit,
die Schwerelosigkeit des Seins.
Beim Eintreten und Verweilen in diesem Raum,
wurden alle Orientierungspunkte in der Welt,
alle festen Urteile, Überzeugungen,
alle Anker, die ich in der Welt gesetzt habe
zerschlagen.
Ich nenne es „Erwachen“.

Meine Seele, die verbunden ist
auch
mit diesem Körper,
dieser Geschichte,
diesen Mustern,
dieser Welt,
kennt nun ihre Heimat
die immer da ist
und doch unerreichbar,
nicht haltbar,
nicht zwingbar
mal leiser, mal lauter
als das Getöse des Lebens.
In diesem sowohl-als-auch zu leben
mit der Demut eines Menschen,
der auf dem Weg ist,
in dieser Welt,
das nenne ich Integration.

Es wird berichtet
von einem Zustand,
der diese Stille hält.
Immer. Ununterbrochen.
Ein Zustand, in dem der Körper
noch anwesend sein soll,
doch der Geist vollständig und dauerhaft
aufgegangen ist in diesem Alleins.
Nie habe ich einen Menschen gesehen,
der keine Reaktionen mehr auf die Welt
erlebt, der sein weltliches Dasein
nicht mehr (für) wahr-nimmt.
Für mich ist es Richtung,
aber nicht Ziel.
Dieses Ziel,
das ich für einen lebenden Menschen
für unerreichbar halte,
das nenne ich Erleuchtung.

Einstweilen
atme ich in vollen Zügen
das erste Sonnenlicht,
schlürfe mit Genuss
bunten Saft aus frischen Pflanzen
streichle die Katze
und geh reiten, zu Stella.